Moshé Feldenkrais
Geboren in Slawuta (seinerzeit Russland, jetzige Ukraine) in einer jüdischen Familie, zog er nach Ende des 1. Weltkrieges nach Palästina, um sich dort mit Gleichgesinnten eine Existenz aufzubauen. Dadurch wurde der 14-jährige Moshé schon in jungen Jahren mit stetigen Änderungen der Lebensumstände und den damit verbundenen Konsequenzen konfrontiert.
Ende der 40er Jahre begann Feldenkrais, solche Prozesse der Lern- und Änderungsfähigkeit des Gehirns zu beschreiben – heute «neuronale Plastizität des Gehirns» genannt. Dies besagt, dass das menschliche Gehirn seine Nervenbahnen ständig verändert und sich somit neuen Gegebenheiten anpasst. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse bestätigen dies eindrücklich.
Zu diesen für die damalige Zeit revolutionären Ideen gelangte Feldenkrais durch eigene Erfahrungen mit Verletzungen, die seine Ärzte nicht behandeln konnten. Er erforschte sein eigenes Bewegungsverhalten und verband dies mit seinem wissenschaftlichen Hintergrund als Physiker. Zudem schöpfte er aus Quellen wie Evolutions-, Kognitions- und Verhaltensforschung sowie Medizin, Psychologie, Pädagogik, Anthropologie und Systemtheorie.
So entwickelte er die nach ihm benannte Feldenkrais Methode. Sein Verständnis von Bewegung als Grundlage jeglichen menschlichen Handelns und Tuns führt zur Erkenntnis, dass Leben ein kontinuierliches Lernfeld ist.
Sie wird in zwei Formen angeboten:
Feldenkrais-Einzelbehandlung
Intégration fonctionnelle
In den Einzelsitzungen werden individuell angepasste Bewegungsabläufe zusammen mit der Therapeutin durchgeführt oder die Therapeutin bewegt die Patientin passiv über das Skelett. Dem Nervensystem wird es so ermöglicht, funktionale und effiziente Zusammenhänge innerhalb des Bewegungsapparates zu erkennen und abzurufen. Durch diese gezielte Arbeit können die Bedingungen für individuelle Veränderungen der Bewegungsweise und Selbstwahrnehmung geschaffen werden.
Die Feldenkrais-Methode stösst Veränderungsprozesse an, begleitet und unterstützt sie. Sie betrachtet die individuelle, lebenslange Fähigkeit des Menschen, zu lernen und sich zu verändern als einen wesentlichen Bestandteil von Gesundheit und Lebendigkeit. Bewegungsreichtum und Bewegungsqualität werden so gesteigert.
Feldenkrais-Gruppenunterricht
Prise de conscience par le mouvement
In Gruppenstunden erforschen die Teilnehmenden in verbal angeleiteten Bewegungssequenzen selbst funktionale Zusammenhänge im Körper und entdecken auf diese Weise eigene Bewegungsmuster sowie bisher unerschlossene Bewegungs- und Wahrnehmungsmöglichkeiten.
Beide Anwendungsbereiche beruhen auf derselben Theorie. Sie entsprechen und ergänzen sich gegenseitig und nutzen die Fähigkeit des Nervensystems, wirksame und passendere Handlungsweisen zu schaffen.